Empörung über Verschwörung

Ein Kommentar aus der Abiturklasse zur gesellschaftlichen Debatte


Ganz gleich in welche Bereiche der Gesellschaft man sich begibt, ob arm oder reich, ob gebildet oder ungebildet, ob jung oder alt. Wenn es um kontroverse Themen geht, empört sich ein jeder über die „Verschwörung“ derer, die der eigenen Meinung, dem eigenen Standpunkt, nicht folgen. Weiß man heute eigentlich noch, was wirklich unter Verschwörung zu  verstehen ist? Oder versteht jeder darunter etwas anderes? „Als Verschwörungstheorie wird im weitesten Sinne der Versuch bezeichnet, einen Zustand, ein Ereignis oder eine Entwicklung durch eine Verschwörung zu erklären, also durch das zielgerichtete, konspirative Wirken einer meist kleinen Gruppe von Akteuren zu einem oftmals illegalen oder illegitimen Zweck.“ So die Definition. Doch werden viele Menschen als Verschwörungstheoretiker bezeichnet, die solche Theorien überhaupt nicht vertreten. Es gibt zwei Möglichkeiten, um dieses Phänomen in unserer Gesellschaft zu erklären. Entweder nutzen die Menschen das Wort Verschwörungstheorie, ohne seine Bedeutung zu kennen, oder sie wollen ihre eigenen Ansichten nicht mehr reflektieren, um den eigenen Standpunkt widerspruchsfrei bewahren zu können und verlegen alles andere als das eigene Denken in einen deklassierten Bereich, mit dem sie sich dann nicht auseinandersetzen müssen. Mir wäre ersteres lieber. Verschwörungstheorien gab es schon immer. Sie sind ein Teil der Geschichte des Menschen und man wird sie niemals loswerden. Doch besonders in Pandemiezeiten wird das Wort Verschwörungstheoretiker oft und gern falsch benutzt, um entweder Menschen zum Schweigen zu bringen, oder, wenn das nicht gelingt, sie Spott und Hohn auszusetzen, um sie in einer solchen Weise niederzumachen, dass Gleichgesinnte nicht mehr den Mut finden um zu ihrer Meinung zu stehen und der übrige Teil der Bevölkerung sich im Recht fühlt, jeden Menschen mit einer solchen Meinung nieder zu machen. Das Thema Corona bietet hier viele Beispiele: "Als Epidemiologen für Infektionskrankheiten und Wissenschaftler im Bereich des öffentlichen Gesundheitswesens haben wir ernste Bedenken hinsichtlich der schädlichen Auswirkungen der vorherrschenden COVID-19-Maßnahmen auf die physische und psychische Gesundheit und empfehlen einen Ansatz, den wir gezielten Schutz (Focused Protection) nennen." So beginnt die Great Barrington Erklärung. Eine Petition weltweit führender Wissenschaftler gegen globale Corona-Maßnahmen. Unter anderem Prof. Dr. Martin Kulldorff (Harvard), Prof. Dr. Sunetra Gupta (Oxford) und Dr. Jay Bhattacharya (Stanford).

Weiter schreiben die drei Wissenschaftler in Ihrer Petitionserklärung: "Wir kommen politisch sowohl von links als auch von rechts und aus der ganzen Welt und haben unsere berufliche Laufbahn dem Schutz der Menschen gewidmet.“ Offenbar kennen die Wissenschaftler das Reaktionsmuster der Maßnahmen-Befürworter, jeden Widerspruch als „rechts“ zu etikettieren und damit als indiskutabel erscheinen zu lassen.

Sehr interessante Aussagen, nicht wahr? Von Objektivität, kann bei einem so empfindlichen Thema wohl kaum mehr einer sprechen. Denn objektiv ist bei einem so von Ängsten besetzten Streit keiner mehr. Dennoch gibt es gewisse grundlegende Gedankenschritte, denen zu folgen nicht schwer, im Gegenteil, ganz klar, einfach und selbstverständlich sein sollte. Zunächst einmal die Frage: Haben öffentlich-rechtliche Medien von dieser Erklärung berichtet? Wir alle kennen die Antwort!  Darauf folgt die zweite Frage: Warum haben die öffentlich-rechtlichen Medien nicht von diesem Dokument berichtet, das von Wissenschaftlern der weltweit bekanntesten Universitäten, wie Oxford oder Harvard stammt und geeignet wäre, maßvolleres politisches Handeln zu thematisieren? Alle Unterzeichner der Petition sind Spezialisten in ihrem Gebiet mit hochqualifizierten Abschlüssen.   Hier ist der Punkt, an dem der Zweifel bei einigen Menschen einsetzt, die trotz der Verweigerung von Öffentlichkeit erfahren haben, dass es diese Petition gibt. Die Tatsache, dass der Allgemeinheit solche gravierenden Informationen nicht mitgeteilt werden und dass weder Regierungen noch regierungsnahe Institutionen ein qualifiziertes Wissen dieser Art in ihre Entscheidungen mit einbeziehen, erregt Misstrauen bei Bürgerinnen und Bürgern. Dann wird plötzlich auch die Qualifikation eines Lothar Wieler, Sprecher des Robert Koch Instituts, der als scheinbar einzige wissenschaftliche Autorität in diesem Land angesehen ist, in den sozialen Medien zum Thema. Lothar Wieler ist aber nur Tierarzt. Sind seine Verlautbarungen also wirklich von seiner wissenschaftlichen Expertise gestützt oder nur von seiner Regierungsnähe und der Macht eines hegemonialen Narrativs?  Warum wird einem eine so qualifizierte internationale Position wie die aus Harvard, Stanford und Oxford vorenthalten? Warum wird immer nur eine Seite der Medaille gezeigt? Wenn der Mensch das Gefühl hat, dass ihm etwas verheimlicht wird, dann möchte er genau zwei Dinge wissen: Wer verheimlicht etwas, und warum wird etwas verheimlicht, bzw. was soll damit erreicht werden? Vielen Menschen kommen diese zweifelnden Fragen gar nicht in den Sinn, da sie diese Gedanken als zu unsicher empfinden für eine Zeit, in der sie vor allem Sicherheit suchen. Vielleicht hat sie der angstgesteuerte Apell erreicht, dass die Krise so gewaltig und bedrohlich sei, dass sie nur in ganz engem gesellschaftlichem Zusammenhalt zu überwinden wäre, die eigenständiges Denken und  zweifelnde Fragen von vorneherein verbietet. Von dieser Logik sind offenbar so viele in einer so missbräuchlichen Weise indoktriniert, dass sie sich auf Gedanken, die von der vorherrschenden Erzählung abweichen, gar nicht mehr einlassen können oder wollen. Dazu kommt der überlegene Glaube, die Wahrheit zu besitzen, der blind macht, selbst wenn diese „Wahrheit“ ganz offensichtliche Widersprüche mit sich bringt. Mit dem Durchhaltewillen der Verzweifelten halten sie daran fest, ganz so als wäre die Denunziation andersdenkender ihre Sache, als müssten sie die Mächtigen vor „Verschwörungstheorien“ beschützen und verteidigen. Wir müssen mehr hinterfragen, zweifeln und Diskurse führen, um unsere Freiheit zu schützen und zu bewahren. Und wir dürfen uns nicht blind leiten lassen, von Vorschriften und Befehlen der Mächtigen. Wollen wir in einer Gesellschaft leben, in der nur eine Meinung als die einzig richtige gilt und alles andere bestraft wird und verhöhnt? Seien wir ehrlich! Solche Gesellschaften nennt man Diktaturen. Wann in der Geschichte hat solches Handeln zu etwas Gutem geführt? Öffnen wir doch die Augen für die Vielfalt. Schon der Versuch wird genügen. Und hören wir auf mit Empörung über Verschwörung.