No Body is Perfect!

Selbstoptimierung in Freiheit oder unter gesellschaftlichem Zwang?  Eine Abwägung

Quelle: soundcloud.com
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Schon vor 30 Jahren hat sich die Neue Zürcher Zeitung die Frage gestellt, ob Schönheits-Operationen  Ausdruck individueller Freiheit seien oder eher unfrei, unter gesellschaftlichem Druck erzeugt. Die Frage hat an Aktualität nichts verloren. Ganz im Gegenteil: Noch nie zuvor lag auf der Gesellschaft ein solcher Druck zur Perfektion. Die Optimierung unter dem Skalpell scheint hier ein passendes Mittel zum Zweck. Aber macht es wirklich frei, sich teuren und gefährlichen Operationen zu unterziehen, um aktuellen ästhetischen Idealen zu entsprechen? Schon immer haben Menschen versucht ihr äußeres Erscheinungsbild zu ändern oder zu verbessern, entweder um sich von den anderen abzuheben oder um sich einem Trend der Allgemeinheit anzugleichen. Die früher technisch beschränkten und wenig erfolgversprechenden Möglichkeiten erscheinen heute  grenzenlos. Gerade so, als könne sich jeder nach den eigenen Vorlieben gestalten. Nicht nur über die Farbe der Haare, sondern auch über der Form der Nase selbst entscheiden zu können, erscheint vielen als eine Erweiterung ihrer Freiheit. Mancher hofft sich so gemäß seiner Träume zu verwirklichen. Andere dürfen dann davon träumen, genauso auszusehen: Was wäre Hollywoods Traumfabrik, wenn jeder in seinem naturgegebenen Körper herum laufen müsste? Dennoch sind die damit verbundenen Risiken nicht unerheblich. Die Eingriffe sind oft unumkehrbar. Und nicht immer sind die Ergebnisse wie erwünscht. Schlimmer als die Eingriffe, in denen das Ergebnis nicht den erträumten Wünschen entspricht, sind diejenigen, die langwierige Verletzungen, Behinderungen oder gar den Tod zur Folge haben. Grundsätzlich erscheint die Legitimation der Eingriffe vor allem dann problematisch, wenn sie nur dazu  dienen, anderen zu gefallen oder mehr Erfolg im Beruf zu haben. Denn die Freiheit, man selbst zu sein, geht in dem Moment verloren, in dem man von anderen signalisiert bekommt, dass man äußerlich nicht genügt. Je mehr Menschen sich mithilfe des Skalpells optimieren, umso mehr Druck bekommen diejenigen, die sich hier nicht entschließen der Mehrheit zu folgen. „Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten“ meinte Rousseau. Und hier sind unsere Ketten die Ideale, denen wir uns unterwerfen. Vielleicht gefällt uns einfach die Idee, dass es die Möglichkeit gibt schöner zu sein als wir sind. Aber kein Traum sollte zum Zwang werden. Es ist grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, dass wir die vielfältigsten Möglichkeiten haben uns zu verändern. Aber der zwanghafte Perfektionismus, der mit den sozialen Medien verbreitet wird, kann uns in keinem Fall glücklich oder frei machen. Die Freiheit liegt eher darin, dass man selber entscheidet, ob, wo und wie man sich verändert, verbessert oder einfach so bleibt wie man ist.

Eggenberg Echo   E-Mail: stoehrenfried@st-anna.eu

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