Der Corona-Fluch!  oder ... Segen?

Ein Essay aus der Zeit der Quarantäne kurz vor dem Abitur


Was sind das für Spuren im Sand? Ganz bestimmt NICHT unsere!
Was sind das für Spuren im Sand? Ganz bestimmt NICHT unsere!

Na, was waren eure Pläne für den Sommer 2020? Erst Abi schreiben, für nur neun Dollar schnell mal ab zum Bierkönig nach Malle mit den Jungs, dann, vielleicht um sich selbst zu finden, ein Jahr mit Reisen verbringen. Dabei den eigenen CO2-Ausstoß massiv in die Höhe treiben. Nach der Rückkehr hat man zuhause zwar immer noch keinen Plan, was man vom Leben eigentlich so möchte. Dafür kann man auf Instagram zwanzig Highlights vorweisen. Eines zeigt, wie man in Australien ganz bodenständig eine Ziege gemolken hat,  so ´echt` voll-down-to-earth-mäßig! Während wir uns beim Tingeln durch die Weltgeschichte total cool und unabhängig fühlen und fröhlich eine von Papas Kreditkarten durchs Lesegerät ziehen, kommt unser Planet immer weiter an seine Grenzen. Wir sind nämlich nicht bereit unseren bequemen Lebensstil zu ändern. Egal wie ernst die Lage sein mag. Die Ziege in Australien zu melken, ist ja so viel cooler, als die eines Bauern im Nachbardorf. Um auf den Punkt zu kommen: Wir haben gelebt, wie wir gelebt haben, und jetzt leben wir in Quarantäne. Der neue Virus Covid-19 brachte die komplette Welt in einer Geschwindigkeit zum Stillstand, wie es noch so viele Gretas und Klimaabkommen niemals gekonnt hätten. Man darf sich also ganz heimlich, still und leise einmal fragen, ob das lebensgefährliche Virus wirklich nur Schlechtes mit sich bringt, oder ob man den aktuellen Zustand auch mal von einer anderen Seite betrachten könnte. Eigentlich ist es doch auch mal ganz schön, im Morgenmantel die ersten Meetings zu absolvieren, ohne penetrante Anmachsprüche männlicher Kollegen ertragen zu müssen. Wir stellen uns also berechtigterweise die Frage, ob Corona wirklich so ein Fluch ist, oder ob der Virus mit seinen Quarantäne-Auswirkungen vielleicht sogar als ein ganz kleiner Segen angesehen werden kann. Spätestens seit Anbruch der Thunberg-Ära im vergangenen Jahr, auch „F.f.F“ genannt, wissen wirklich alle Bescheid über die Probleme, die unser Planet mit uns hat. Auch schon vor dem Virus lief man durch Pekings Straßen sicherheitshalber mit einer Schutzmaske. Nicht aus Angst vor Ansteckung, sondern um zu vermeiden, dass die eigene Lunge nach einem kurzen Spaziergang der eines Kettenrauchers ähnelt. Durch die von Feinstaubpartikeln geschwängert Luft erkannte man kaum noch die eigene dreckige Hand vor Augen. Wie konnte die Situation so eskalieren? Ganz sicher nicht, weil die Natur entschied, es wäre an der Zeit die Menschen ein bisschen zu ärgern. Schon heute ist es für den Menschen an manchen Orten der Welt unmöglich gesund zu leben, da die Luftqualität nicht mehr den Ansprüchen unserer Lunge genügt. Sollten solche Extremzustände nicht bereits Grund genug gewesen sein, das eigene Konsumverhalten massiv zu überdenken? Offensichtlich nicht, denn die Lage verschlimmerte sich weiter im Laufe der Zeit. Interessant für uns ist vor allem, wie sich die Situation seit dem Ausbruch von Covid-19 entwickelte? Nach und nach werden die Menschen aller Länder weltweit von ihren Regierungen gezwungen sich in hauseigene Quarantäne zu begeben, um sich und andere vor dem Virus zu schützen. Da wir langsam alle beginnen uns zu langweilen und aus Verzweiflung schon anfangen das Bücherregal nach Farben zu sortieren, könnten wir uns auch einmal pro Woche die Luftaufnahmen der NASA ansehen, auf denen schon für einen Blinden mit dem Krückstock erkennbar wird, wie dramatisch sich die Luftqualität in China seit dem Ausbruch des Virus verbessert hat. Die neue Klarheit in der Luft könnte durchaus etwas mit dem Corona bedingten Shut-Down zu tun haben. Kann man es also überhaupt wagen, von einem Corona Segen zu sprechen, während Tag für Tag hunderte von Menschen sterben? Es geht ja nicht darum, das Elend auszublenden, aber besonders in so einer so schweren Zeit sollten wir versuchen auch die kleinen Lichtblicke zu sehen, die von der aktuell dominierenden Dunkelheit und Depression sonst definitiv verschlungen werden. Also fragen wir uns weiter, was die Corona Krise uns Gutes bringt. Und allen, denen der Schutz der eigenen Familie nicht Grund genug ist zuhause zu bleiben, empfehlen sich andere Aspekte möglicherweise als Motivation in der großen „Stay-home-Challenge“.  Zum Beispiel Venedig! In der Zeit des Massentourismus wurden die schmutzigen Kanäle von Fischen, Schwänen etc. gemieden wie der Teufel das Weihwasser meidet.  Jetzt, da die Stadt wie ausgestorben wirkt, und ausnahmsweise keine Touristen die Gondeln in Anspruch nehmen, erwachen die Kanäle wieder zum Leben. Da nicht mehr im Minutentakt der Sand von den Paddeln der Gondoliere aufgewirbelt wird, ändert sich die Wasserfarbe relativ schnell vom schlammigen Braun zu einem klaren Wasserblau. Nach kurzer Zeit zogen wieder die Fische in die Stadt zurück , aus der sie von den Menschen vertrieben wurden. Es scheint, als würde sich die Natur nach und nach von den Misshandlungen der Menschheit erholen. Also, versuchen wir es positiv zu sehen! Wir retten die Welt, indem wir zuhause auf unseren Klopapierbergen sitzen bleiben und einfach mal nichts tun. Das sollte machbar sein, wenn man bedenkt, welche Leistung all die Menschen in dieser Zeit erbringen, die dazu beitragen das öffentliche System am Leben zu erhalten. Wir könnten auch die freie Zeit dazu nutzen, um die Menschen, die wir Familie nennen, mal etwas besser kennen zu lernen. Da wir alle viel Zeit miteinander verbringen werden, ist man als Familie gezwungen zu überlegen, wie man die kommende Zeit mit Kochabenden und Brettspielen bestmöglich übersteht. Und wer weiß, vielleicht geht ihr gestärkt aus dieser Zeit hervor und das gemeinsame verpflichtende Sonntagsessen ruft nicht mehr blankes Entsetzen in euch hervor. Was ist schon ein Essen, wenn man einen kompletten Monat mit diesen Menschen in Quarantäne verbracht hat. Aber wir können zwischendurch auch einfach mal zugeben, dass wir einfach unsere Freunde und unser Leben vermissen. Doch während wir noch damit beschäftigt sind zwischen Instagram, Snapchat und Houseparty mechanisch hin und her zu swipen, könnten wir zwischendurch noch kurz einmal aufstehen und uns eine pflegende Gesichtsmaske ins Gesicht schmieren. Wir haben die Möglichkeit in dieser Zeit uns auch einmal Zeit für uns selbst zu nehmen. Statt der Fertigpizza können wir auch mal wieder Pizza selber backen und statt der hektischen Morgenroutine eine Badewanne ausgiebig genießen. Alle, die allerdings schon so sehr in der Corona Depression versunken sind, dass sie diese Aussichten kein bisschen aufheitern konnten, dürfen sich daran erinnern: Unsere Erde braucht dringend eine Verschnaufpause. Schrie der Planet auf dem wir leben dürfen, nicht auf jede erdenkliche Weise um Hilfe? Aber wir Menschen wollten oder konnten nicht hinhören. Holt sich die Natur nicht auf drastische Weise zurück, was wir ihr über Jahre genommen haben? Versuchen wir es einmal so zu sehen, dass unser Planet eine Pause braucht, und wir vielleicht auch.

Ein Hoch auf den Sommer ohne Instagram Storys aus dem fernen Australien.