Ein Schüler im Jahr 2080

Ein Blick in die Zukunft. Ob wirklich alles so kommt?

30. Juni 2080

Heute hatte ich einen verhältnismäßig interessanten, aber ziemlich normalen Tag. Ich fing mit der Schule wie immer um 10:00 Uhr an. Mein Computer beschwerte sich etwas, da ich eine Hausaufgabe nicht gemacht hatte. Ich setzte mich vor meinen Schul-Wandbildschirm und trat der Klassenkonferenz bei. Die eine Live-Box an der Wand funktionierte mal wieder nicht und ich konnte meinen Computer nur aus einer Richtung hören aber mein PC konnte mir sofort sagen, wie ich das beheben kann. Die erste Stunde hatte unsere Klasse wie immer zusammen. Einige Termine wurden angekündigt, zum Beispiel eine Wissenschafts-Reise auf den Mond in unserem schuleigenen 3D-Studio und eine Entspannungs-Reise nach Korsika für eine Woche im „Real life“.

 

Danach entschied ich mich für das Fach Geschichte. Doch der Computer kam natürlich wieder mit „erst der Spaß und dann das Vergnügen!“ und fand, ich solle doch erst Mathe machen. In letzter Zeit nervte mich der Computer oft mit sowas. Also erzählte ich ihm meinen neuen Computer-Witz. Den fand er aber gar nicht lustig. Er schlug mir vor, doch direkt mit Physik anzufangen. Manchmal denke ich, dass der Charakterprogrammierer meines PCs mich ärgern wollte. Immerhin stellte er mir das Thema mit einer recht übersichtlichen Grafik dar. Danach machten wir Deutsch und er las mir aus „Die Räuber“ vor und ich musste ihm eine Textzusammenfassung diktieren, auf die er mir eine 3 gab. Dann kam ein Kompetenzfach dran; heute war es „Debattieren“.

 

Ich tat mich mit meinem besten Freund Max zusammen und wir debattierten über das Thema „Sollte das Jugendparlament mehr Macht bekommen“. Ich fragte den PC, ob ich vielleicht heute noch eine Kompetenz machen könnte, und das fand er ok. Also suchte ich mir ein Bewerbungsgespräch aus, auf das sich mein Computer und ich vorbereiteten, woraufhin er mich dann zu einem natürlich virtuellen Chef einer Bäckereikette schickte, wo ich mich als Personalverwalter bewerben sollte. Das war echt lustig.. Schlussendlich hätte er mich aufgenommen. Danach hatte ich Bio und konnte über meinen Wandbildschirm als Virus durch den Körper wandern. In Geo gab es eine Rally durch Dar-Es-Salam, eine Stadt in Tansania in Afrika, in der es ein kleines Beben gab, bei dem ich in eine Höhle flüchten, und mich dann mit einer Spitzhacke über meine Wii aus der verschütteten Höhle befreien musste. Sowas nennt sich wohl „Geografieunterricht mit sportlichem Element“. Da ja jeden Tag ein Fach mit Frontalunterricht vorgesehen ist, und Mathe sowieso schon langweilig ist, wählte ich heute Mathe als Frontalunterrichtsfach, wobei ich gestern in Mathe ja schon einen echt interessanten Trip zu den alten Ägyptern gemacht hatte.

 

Es ging zum Essen. Mein PC findet jeden Tag eine recht gute Mischung aus ausgewogener und leckerer Ernährung. Heute empfahl er mir Forelle mit Lauchauflauf. Ich ließ es ihn beim nächsten Service bestellen. Jetzt kam endlich das Highlight: Geschichte. Es gab eine recht neu programmierte Reise mit Magellan um die Welt. Heute war ich bei Abschnitt 4 von 7, der Umsegelung von Feuerland, der südlichsten Spitze von Amerika. Im Gegensatz zu den ganzen Couchpotatoes aus meiner Klasse, wählte ich den Mitmach-Modus. Wir gerieten in einen Sturm und Magellan persönlich trug mir auf, möglichst schnell das Schiff auf Halbmast zu bringen. Beim ersten Mal schaffte ich es nicht, weil ich nicht genug Matrosen mobilisiert hatte. Beim zweiten Mal gelang es, bevor das Schiff versank.

 

Das dauerte ca. 2 Stunden. Besonders gut gefällt mir bei dieser Animation die Geräuschkulisse. Man hört das Meer, die Schreie der Besatzung und der Kapitän, mit dem man spricht, klingt sehr echt. Ich versuchte den PC davon zu überzeugen, dass ich heute keine Physik Vertiefungsstunde machen müsse, da der Spiegel heute Morgen gesagt hatte, dass eine Erkältung auf mich zukäme. Aber der Computer meinte, ich sei sowieso einer der langsamsten aus der Klasse und einige aus der Klasse seien schon zwei Monate weiter als ich. Also lernte ich anhand einer 3D Grafik am 3D Wandbildschirm meines Zimmers die Funktionsweise der Autos, die  zusammengesetzt sind aus künstlicher Intelligenz und vielen sehr unübersichtlichen Magnetfeldern, die von Supraleitern erzeugt werden, die wiederum durch flüssigen Stickstoff entstehen, damit das Auto über der Straße schwebt. 

 

Für morgen kündigte mir der PC an, dass ich morgen einen Tag Pause machen könnte, wenn ich dafür übermorgen etwas mehr erledige. Das war toll, denn sowas kommt nur ganz selten vor. Ich nahm das Angebot natürlich an. Aber leider musste ich dafür als Bedingung heute noch mit einem Klassenkameraden den gelernten Stoff vertiefen. Wie immer hatten sich mein und Toms Computer heute Morgen zusammengetan und ausgemacht, mit uns jeweils etwas unterschiedlichen Stoff beizubringen, sodass wir uns morgen ergänzen werden können. Tom und ich trafen uns also jeweils in unseren Holomeeting-Räumen und begegneten uns also „nur“ digital, doch zum Glück haben wir einen recht guten Holo-Beamer und Tom saß also ziemlich realistisch und ohne Übertragungsfehler neben mir auf dem Sofa. Als Hausaufgabe gab mir der PC auf diese Zusammenfassung des Schultags zu schreiben und hier ist sie.“

 

Dieser Tagebuchartikel basiert nicht nur auf wissenschaftlichen Zukunftsvorhersagen, sondern entspringt hauptsächlich meiner Phantasie. Zum Anfang einige Erklärungen zu dem Tagebuchartikel: Die genannten Wandbildschirme gibt es heute bereits, allerdings sind sie noch nicht weit genug entwickelt und man hat sie noch nicht auf den Markt gebracht. Die Innenwände der Häuser sind alle große Bildschirme und sind je nach Stimmung heller, dunkler, zeigen ein Bild oder verändern die Farbe. Also kann man sich zum Beispiel rund um sein Zimmer eine romantische Strandlandschaft anzeigen lassen, dem Computer sagen, er soll die Heizung auf 30° heizen und den Abend genießen. Ich greife hier hauptsächlich auf das Buch „Die Physik der Zukunft – das Leben in hundert Jahren“ zurück (siehe Buchbeschreibung am Ende des Artikels). Laut dem Autor dieses Buches ist die Vorstellung mit den Wandbildschirmen sehr realistisch.

 

 

Die Computer mit Charakter habe ich selbst erfunden, da mir diese Vorstellung recht interessant vorkam. Es wird allerdings wahrscheinlich dennoch intelligente Computer geben. Künstliche Intelligenz ist bereits heute ein weit ausgebautes Forschungsgebiet, in das viel Geld investiert wird. Laut dem genannten Buch werden die Computer sogar unsere Gedanken lesen und wir werden ihnen nicht einmal mehr sagen müssen, was wir von ihnen wollen. Doch diese Theorie erscheint mir persönlich etwas unrealistisch. Die Schwierigkeit wird sein, wichtige von unwichtigen Gedanken zu unterscheiden, was meiner Meinung unerfüllbar ist, da unser Gehirn so vielseitig ist, und immer mehrere Probleme gleichzeitig behandelt. Die Computer werden wahrscheinlich kleine Mikrochips sein, die eine unglaublich hohe Speicherkapazität haben werden. Aber wer weiß? Vielleicht vollbringt die Technik ja dieses kleine Wunder.

 

 

Als nächstes zum Schulsystem: Der Unterricht wird vermutlich von zuhause Stattfinden, (das bedeutet unter anderem: Ausschlafen!) Denn jeder Schüler wird nach seinem eigenen Arbeitstempo arbeiten. Schon früh wird durch Tests festgestellt werden, welcher Beruf für einen selbst am besten sei, und der Lehrplan wird danach ausgerichtet sein. Es wird viele neue pädagogische Methoden geben, wie z.B. virtuelle Reisen in der Geschichte.

 

Klassentreffen werden in Räumen abgehalten werden, in denen alle Mitglieder der Klasse durch Hologramme in diesen Raum gebeamt werden und so alle gemeinsam um einen Tisch sitzen. Die Methode, mit der man Hologramme produziert, heißt Holographie. Bei der Holographie wird die Tatsache ausgenutzt, dass das Licht eine Wellenstruktur besitzt. Man sieht Hologramme als frei in der Luft schwebende Gegenstände, die auch noch dreidimensional aussehen, wenn man um sie herum geht.