Sie haben einen Traum - Essay

Die Stifte um mich herum kratzen angeregt. Man hört die Gedanken in der angespannten Stille förmlich durch den Raum surren. Sie sind trotz knisternder Konzentration erfüllt von immer wieder aufblitzenden Träumen und Alpträumen. Es ist unsere erste Abiturprüfung. Ein Tag, auf den wir dann seit zwölf Jahren vorbereitet wurden. Erst irreal, dann immer realer. Für manche ein Traum, für andere eher ein Alptraum. Ist nicht die eigentliche Angst vor dem Abitur, danach seine Träume verwirklichen zu können? Traum oder Albtraum? Ich habe einen Traum, ich will meine Träume leben und am Ende meine eigene Automarke gründen. Oft habe ich sie mir schon fast realitätsnah erträumt: Oldtimer alltagsfähig machen! Ich könnte stundenlang Traumbilder malen. Zwei Reihen hinter mir riecht man auch die Träume duften. Hoch in die Lüfte, über den Wolken, dem Meer der Träume, ein Flugzeug steuern. Überall wird geträumt. Viele von uns träumen groß. Als Kind wollte ich an einem Tag sterneerforschender Astronaut werden und am nächsten Tag Dinosaurier jagen. Jetzt sind es nur noch die Autos. Die Träume werden über die Zeit immer realistischer. Aber man muss sich beeilen, denn irgendwann holen einen Alpträume ein. Der Traum droht sich auszuträumen. Man hofft nur noch, nicht, wie viele anderen Träume, vergessen zu werden und im Sumpf des irrelevanten zu versinken. Je jünger man ist, desto größer träumt man und das ist auch gut. Junge Menschen müssen Visionen haben. Junge Menschen müssen träumen, solange sie von Albträumen noch nicht überholt werden. Nur wer räumt, kann Träume verwirklichen. Sätze wie, „Das ist doch unmöglich. Hör auf zu träumen!“, haben Träumer wie Elon Musk von Kindheit an verfolgt. Er hat seine Träume dann dennoch gelebt und erwachsene Realität werden lassen. Ganz nach dem Spruch: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“. Auf die Frage, warum er denn immer neue Ideen verwirklichen wolle, antwortete er: „Es braucht doch einen Grund, am Morgen aufzustehen“. Träumen hat viel mit hoffen zu tun. Hoffnung, ein Motiv welches wie eine Feder unangefochten das Spielwerk jeden einzelnen Menschens vorantreibt. Angelique Kerber träumt und hofft zum Beispiel auf ein selbst erarbeitetes Comeback nach einer albtraumartigen Zeit. Träume helfen in der Not. Sie sind wie Schwerter des Lichtes gegen die erdrückende Dunkelheit der Angst. Sie sind wie ein Stück Treibholz, an das sich der Ertrinkende klammert. Selbst wenn der Untergang eigentlich unausweichlich ist: die Hoffnung stirbt zuletzt. Denn was wir träumen, wie Forscher erkannten, spiegelt auch immer unsere aktuellen Ängste und Hoffnungen wieder. Vielleicht steckt in diesen Stücken Treibholz auch ein wichtiger Teil vom Sinn des Lebens, der Grund, aufzustehen. Ohne die bunten optimistischen Träume, die uns auch noch in den ausweglosesten Situationen Hoffnung vorgaukelt, wären wir eine Gesellschaft von visionslosen Gefangenen der eigenen Kurzsichtigkeit. Ist es nicht dieses Streben nach etwas Großem, diese unbändige sucht nach Herausforderung, gepaart mit der Möglichkeit, zu Träumen, was uns menschlich macht? Ein Tier, welches nur lebt, um sich zu vermehren und du überleben, lebt nicht wirklich. Nur wer träumt, der lebt. Ein Streben ohne Träumereien ist ein Streben nach dem sinnlosen Tod, wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat. Christoper Nolan stellt in seinen Filmen die bittere Realität und den süßen Traum auf eine Stufe, denn manchmal sind auch die Träume bitter und die Realität süß: „Vielleicht sind alle Ebenen der Realität gleichberechtigt“. In seinem Film "Inception" gehen Traum und Realität ineinander über. Damit zeigt er, dass Träume immer auch Teil unserer Realität sind. Das ultimative Ziel:  "Lebe deinen Traum", bleibt kein irrationales Träumen mehr, keine Realitätsflucht. Es wird zur erstrebenswerten, lebenswerten und erstrebten Realität. 

Das Kratzen der Stifte ist leiser geworden. Die surrenden Gedanken lauter. 669 Wörter voller Hoffnung später lässt die Konzentration nach, wenn ich mich umdrehe und den anderen beim Schreiben zuschaue, ist die Hälfte in Tagträumen versunken und schaut in die Ferne.  Vielleicht habe ich gleich das Deutschabitur absolviert? Schaffe ich es wie es wie Elon Musk, meine Träume zu leben und in die Realität umzusetzen? So viele Fragen und so viele Träume. Aber eins ist gewiss: Die Tage werden kommen, an denen die kindischsten unter meinen Träume auf die Probe gestellt werden. Bis dahin gilt: hört nur nicht auf, zu träumen!