Warum nur?

Zum Umgang mit einem Unglück und den quälenden Fragen danach.


Auch wenn dieser Artikel von  letztem Jahr über ein Unglück von 2017 erzählt, ist die Erfahrung der Redaktion zeitlos: der Umgang mit einem Unglück fordert das Mitgefühl, überfordert das Verstehen und bewirkt Gemeinschaft, Solidarität, Hilfsbereitschaft


Es waren unfassbare Eilmeldungen, die uns erreichten. „Flugzeug zerschellt in den Alpen“, „Unglück bei Nizza“ oder „Deutsche Schulklasse an Bord des Unglücksfliegers“.  Wir vom Schülerzeitungsteam saßen gerade in der Redaktion beisammen als uns der Schock traf. Es wurde gebangt, zu Anfang noch gehofft. Doch die Meldungen wurden immer schrecklicher. Eine Frage beherrschte von Beginn an unsere Köpfe: Warum? Der Flug 4U 9525 der Lufthansa-Tochter Germanwings führte von Barcelona nach Düsseldorf – „eine banale Reise, wie Tausende jeden Tag“, schrieb die französische Tageszeitung La Croix hinterher. Aber durch diesen Flugzeugabsturz haben 150 Menschen ihr Leben verloren, viele davon stammten aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen. Der Tod jedes einzelnen Opfers ist auf seine Art tragisch und verdient unsere Anteilnahme.

Manche Geschichten, wie die des Schüleraustauschs des Joseph-König-Gymnasiums aus Haltern am See, machen besonders betroffen. Nicht nur die Gedanken jedes einzelnen, auch die mediale Berichterstattung wurde beherrscht durch die händeringende Suche nach dem „Warum“. Schnell wurde über ein technisches Versagen diskutiert, selbst über einen terroristischen Anschlag spekuliert. Natürlich hätte nichts davon den Verlust von Eltern, Kindern und Freunden gemildert oder gar rückgängig gemacht. Man hoffte vielmehr auf eine Erklärung, um den Verlust aufzuarbeiten, vielleicht zu verdrängen, vermeintlich besser zu verstehen.

Als allerdings nach einigen Tagen intensiver Ermittlungen die offenbar krankheitsgetriebene Willkürhandlung des Co-Piloten bei diesem tragischen Ereignis deutlich wurde, war zwar das vordergründige „Warum“ geklärt, doch das tatsächliche Verstehen fiel umso schwerer.

Als Begründung für den Tod so vieler Unschuldiger will uns diese menschliche Rücksichtslosigkeit nicht ausreichen; die Katastrophe bleibt für viele, auch für uns vom „Stöhrenfried“, unerklärlich. Diese Unerklärlichkeit und das hartnäckig wiederkehrende „Warum“ lassen einen als Christ unweigerlich fragen: Warum hat Gott zugelassen, dass diese lebensfrohen Menschen ihren Familien und Freunden entrissen wurden? Warum schenkt er nicht allen Menschen gleichermaßen Lebensfreude? 

Uns im Schülerzeitungsteam ist klar geworden, dass niemand je eine abschließende Antwort auf diese Fragen erhalten wird. Dennoch können wir mit Trost, Solidarität und Mitgefühl das schmerzhafte Ausbleiben einer Antwort mildern. Und so darf man mit Dank erfüllt sein, dass sich in einer solchen dunklen Stunde ein Höchstmaß an Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zeigt. Sei es im Kleinen, wie in Haltern am See, im Großen, wie bei der Andacht im Kölner Dom, oder im ganz Großen wie in den Bekundungen des Mitgefühls durch die internationale Gemeinschaft.

 

Das Gebot der Stunde – und nicht nur hier: Seinem Nächsten Trost zu spenden, Hoffen wider alle Trauer; Halt zu geben, wenn jemand ins Wanken kommt, ob man ihn kennt oder nicht. Wenn wir uns nun im unausweichlichen Alltag wiederfinden, dann sollten wir immer im Hinterkopf bewahren, was der innere Zusammenhalt unserer Gesellschaft in diesem Moment zu leisten im Stande war. Um diesen Zusammenhalt müssen wir uns aufs Neue bemühen – jeden Tag.