Der erste Krimi aus der 8. Klasse

Das große Rennen

Die Reifen quietschen, das Adrenalin fließt durch meinen Körper. Die Luft ist erfüllt von heißem Gummigeruch und verbranntem Öl. Jetzt die letzte Kurve des heutigen Trainings! Doch da merke ich, dass etwas mit meinem Cart nicht stimmt. Ich kann nicht mehr bremsen. Ich höre Schreie  vom Rand der Bahn: „Brems! Brems endlich!“ Das ist das Letzte, was ich höre, bevor ich mit meinem Cart hart im Strohhaufen lande. Gerade noch bekommr ich mit, dass sich aufgeregte Stimmen um mich versammeln, bevor ich das Bewusstsein verliere.  Mit ein paar Prellungen erwachte ich  wenige Stunden später im Krankenhaus. Zum Glück konnte ich schon nach zwei Tagen wieder entlassen werden und am großen Club-Rennen teilnehmen. Meine schärfste Konkurrenz besteht aus meinen besten Freunden Dänno und Miki, gegen die ich im letzten Jahr nur knapp gewinnen konnte. Sobald ich wieder im Rennstall war, wurde ich vom Sportreporter Willi über den Vorfall im Training befragt. Ich erzählte ihm alles, woran ich mich noch erinnerte und am schon am Tag danach erschien der Artikel “Gefährlicher Unfall beim Training – Favorit schwer verletzt – Kann das große Club-Rennen noch stattfinden?!“. Der Artikel gefiel mir gut, vor allem der Favorit! Nach dem Interview checkte ich nochmal das Cart, zupfte die letzten Strohhalme aus dem Cart und bemerkte den Fehler. Es lag an den Bremsklötzen! Sie saßen sehr locker. Nun gut, das war zwar untypisch, aber ich dachte mir nichts dabei. Danach schraubte ich sie wieder mit meinem 13er Schraubenzieher fest und trainierte noch ein paar Runden. Der nächste Tag brach an und ich dachte nur noch an das Rennen heute. Vor dem Rennen checkte ich nochmal das Cart. Danach fragte ich Dänno: “Na, aufgeregt heute? “Er grinste und schlug mir auf die Schulter: „Neee, heut gewinn ich! Mit ein bisschen Glück wirst du vielleicht dritter!“  Dann wurden die Carts auf die Bahn geschoben und wir stiegen ein. Kurz vor dem Anpfiff gingen mir die letzten Sekundenbruchteile vor dem Crash noch mal durch den Kopf und ich sah über das jubelnde Publikum hinweg. Da bemerkte ich hinter dem Strohballen der Südkurve, den ich so gut kennen gelernt hatte, am Ausgang der Arena, eine Person in der CREW-Member Warnweste und im Crew-Member-Hoodie mit ölverschmierten Händen die Arena verlassen. Auf einmal hörte ich nur noch den Zeitrichter abzählen:“3,2,1,“. In dem Moment sprang ich auf und schrie: „Stooop!!“Dänno und Miky fragten was los sei. „Irgendwas stimmt nicht“ Sie machten besorgte Gesichter als ich ihnen von meiner Beobachtung und meinem Verdacht erzählte. Der Zeitrichter unterbrach das Rennen und wir untersuchten die Carts. Wir stellten alle drei fest, dass die Bremsklötze ölverschmiert und lockergedreht wurden. Sofort rannten wir ins Büro von Aaron Stevens dem CREW-Member an unserem Rennstall. Im Büro angelangt fragten wir ihn:“ Wieso hast du das getan?“. Verdutzt antwortete der: “ Was soll ich gemacht haben?“ -  “ Wieso hast du die Bremsklötze an unseren Carts lockergeschraubt. Wir haben dich gesehen wie du die Arena verlassen hast!“ - „Ich durfte heute gar nicht in die Arena, da ich meine Warnweste und meine Crew-Pulli nicht finden konnte! “ antwortete er bestürzt. Noch bevor sich Aaron weiter erklären konnte, rief Miky: “Da ist der Täter! schnell zur Umkleide!“ und zeigte auf den Monitor der Überwachungskamera.  Sofort rennen wir los, ohne uns von Aaron zu verabschieden. An der Umkleide angekommen, sehen wir die verdächtige Person ins leerstehende Büro abbiegen. Wir verstecken uns hinter der Wand und warten bis der Verdächtige das Büro verlässt, um sich die Hände zu waschen. Die Tür öffnet sich langsam und er geht auf die Toilette. Wir können aber sein Gesicht nicht erkennen, weil er immer noch den Crew-Member-Hoodie trägt. Genau diesen Moment nutzen wir, um ins Büro zu huschen. Im Büro sehen wir einen angeschalteten Laptop, auf dem ein Ordner mit Dateien geöffnet ist. Ich staune über die Dateinamen wie „Betrug beim Marathon“ oder „Katastrophe beim Ski-Weitsprung“, da diese Veranstaltungen noch gar nicht stattgefunden haben. Doch was sehe ich jetzt?? Die Datei mit dem Titel “Der Unfall beim Großen Rennen“.  Jetzt plötzlich hören wir Schritte auf dem Flur und sie werden lauter. Ich flüstere: „Er kommt! Schnell verstecken wir uns hinter der Kiste“. Sie ist groß genug aber staubig. Die Tür öffnet sich mit lautem Knarzen.  Der Täter kommt rein. Durch bloßen Augenkontakt verständigen wir uns und springen auf. Dänno versperrt die Tür, Miky und ich auf ihn zu. Er schaut uns an und… es ist Willi, der Sportreporter! Ich kann es nicht glauben, dass ausgerechnet er der Täter ist „Wir konnten dabei umkommen!“ schrie Miky. „Wieso hast du das getan?“, fragte Dänno und wurde so wütend, dass er sogar auf Willi los gehen wollte. Wir hielten ihn aber auf und beruhigten ihn. Willi versuchte sich zu verteidigen und erklärte stotternd: „Ihr wisst nicht, wie schwer es ist an Veranstaltungen, an denen nur Alltägliches passiert, einen spannenden Artikel für die Zeitung zu verfassen.“  Danach wollten wir die Polizei verständigen, doch Willi bettelte so sehr, dass wir uns überlegten, wie er diese üble Tat wieder gut machen könnte. Tja, da hätten wir vielleicht eine Idee… Ein Cart-Pfleger war bis jetzt ein Luxus für uns. Doch diesen Posten erhält ab sofort Willi und zwar für ein Jahr, inklusive der Streckenpflege. Für uns natürlich kostenlos.