Faible für Europa!

Ein Kommentar wider jede Fantasie, Europa habe ausgedient.

Erst Brexit, dann Öxit, Italiexit, Franxit oder gar der Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union? Ein heikles Horrorszenario. Europakritische Stimmen häufen sich. Soll man hinter Europa ein Ausrufungs- oder gar ein Fragezeichen setzen? Freund oder Feind? Ein Faible für Europa muss aus jeder Generation neu erwachsen. Es beginnt in den Elternhäusern, Schulen und an den Universitäten, wo der europäische Habitus die große Gemeinsamkeit ist – ungeachtet der Herkunft, der Muttersprache oder der Religion. Dazu braucht es Hilfestellungen und jede Menge Überzeugungsarbeit. Ich meine, speziell der Politikunterricht in der Schule, spielt dabei eine große Rolle.

Gerade wir Deutschen verdanken der europäischen Einigung viel. Uns sind daraus handfeste Vorteile erwachsen, die wir uns zu selten bewusstmachen: Der Zustand des friedlichen Zusammenlebens ist für uns alle selbstverständlich geworden. Ebenso normal ist es für uns, dass wir in nunmehr 19 Ländern mit dem Euro bezahlen und dass wir frei durch Europa reisen können. Knapp zwei Drittel der deutschen Exporte gehen in EU-Partnerstaaten – damit werden Millionen von Arbeitsplätzen in Deutschland gesichert. Dank des EU-Programms Erasmus ist es für Studierende ganz einfach geworden, ein Auslandssemester an einer europäischen Universität zu verbringen und dort Europa erfahren zu können.

Die Europäische Union hat auch dafür gesorgt, dass wir günstig telefonieren und in ganz Europa einwandfreie Lebensmittel kaufen können. Sie sichert den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz und garantiert Mindeststandards an Arbeitspausen, Freizeit und Urlaub. Es ist eine vorbildliche Leistung der EU, dass sie sowohl die Vielfalt der Regionen, Sprachen und Kulturen als auch das Zusammenwirken und die Integration der Mitgliedsländer fördert.

Dies alles macht deutlich: Wir brauchen Europa! Wir brauchen die Europäische Union insbesondere auch, um die großen Herausforderungen bestehen zu können. Ob es um den Klimawandel, den Schutz vor Terrorismus und organisierter Kriminalität oder darum geht, die Globalisierung so zu gestalten, dass unser europäisches Lebensmodell erfolgreich bleibt – stets merken wir, dass wir als einzelnes Land nicht genug erreichen können. Wir brauchen den europäischen Verbund, um das Leben in Freiheit, Frieden, Solidarität und Wohlstand zu sichern.

 

Ich bin mir sicher, dass die Europäische Union eine einzigartige Erfolgsstory ist! Dies zu bewahren und die Zukunft zu meistern, kann sich jedoch nicht auf die heute Verantwortlichen beschränken. Das geht auch die an, die morgen oder erst übermorgen anpacken und entscheiden müssen. Anders ausgedrückt: Es ist entscheidend, ob es den Elternhäusern und der Schule gelingt, Jugendliche zu Fans der europäischen Idee werden zu lassen. Nicht nur der Politikunterricht kann dazu wertvolle Beiträge leisten.

 

Europapolitischer Nachwuchs ist früh gefragt. Die Beteiligung an den Wahlen zum Europäischen Parlament ist das Bekenntnis jedes jungen Erwachsenen, an der europäischen Idee festhalten und sie weiterführen zu wollen.

 

Europa hat sich gefestigt und gewandelt, doch nicht automatisch. Erfolgstorys wollen hart erarbeitet und fortgeschrieben werden.