Störenfriede in Politik und Wirtschaft

Jared Kushner sieht sich selbst als Störenfried - was sagt uns das?


Aus Focus 31/2020, Seite 29 - Andera Berstein, Der dunkle Prinz
Aus Focus 31/2020, Seite 29 - Andera Berstein, Der dunkle Prinz

Wenn Kushner sich als Störenfried bezeichnet, dann sagt er im Original wahrscheinlich "Troublemaker". In dem Focus-Artikel,  den ein ehemaliger Schüler und Stöhrenfried-Redateur auf den Artikel "Stöhren-Friedrich Merz" zuschickte, bezieht sich das Störenfried-Dasein zunächst auf wirtschaftliche Unternehmungen, die andere für tollkühn oder gar unmöglich hielten. Die genannten Beispiele dafür sind ein für überteuert gehaltenes Immobilienprojekt oder der Kauf des „New York Observer“. Die Kritik der Berichterstattung von Andrea Bernstein in „American Oligarchs“ zielt bereits im Titel auf eine Vermischung wirtschaftlicher und politischer Interessen. Wo Politiker mit politischen Entscheidungen private wirtschaftliche Vorteile verfolgen, spricht man von Korruption. Und Korruption zieht in Amerika, dem Mutterland strengster „Compliance“- Gesetze, empfindliche Strafen nach sich.  Korruption bleibt in der Verfassungs- und Vertrags- Kultur des Westens der Sündenfall schlechthin. Wo es um nationale Wirtschaftsinteressen geht, sieht die Sache etwas anders aus. Aus amerikanischer Perspektive ist die Vermischung nationaler wirtschaftlicher und politischer Interessen eher ein deutsches Problem. Die engen Verbindungen zwischen Politik und Wirtschaft, wie sie sich etwa in der Eigentümerstruktur des VW-Konzerns oder neuerdings auch der Lufthansa widerspiegelt und das unverhohlene Eintreten deutscher Politiker für die Interessen deutscher Firmen, unsere nachsichtig belächelte „Deutschland-AG“, nennt man dort „Germany inc.“ und Trump versucht unter der Losung „America first“ seine spezifische politische Antwort darauf.

Kühnert ist bei uns weniger Störenfried als Merz 

Bei uns heißt ein Störenfried in der Politik noch immer eher Friedrich Merz als Kevin Kühnert. Erstaunlicherweise wird Kevin Kühnerts linksextreme Idee BMW zu verstaatlichen in den Medien von weniger Misstrauen begleitet als der private wirtschaftliche Erfolg eines Friedrich Merz bei einem großen internationalen Vermögensverwalter. Diese emotionalen Vorbehalte im moralisch-politischen Erregungspotential entziehen sich zwar jeder vernünftigen Logik, aber die irrationalen Leidenschaften im Sozialneid und der dumpfe Vorbehalt gegen "das internationale Kapital“ gehören offenbar nach wie vor zur nationalen und sozialistischen Befindlichkeit. Das Potential zum Störenfried hat der wirtschaftlich Unabhängige.