Mathegenie in drei Sprachen

Interview mit Frau Steinke


REDAKTION: Wollen Sie uns eine Erinnerung aus Ihrer Schulzeit erzählen?

STEINKE: Ich erinnere mich tatsächlich gerne an meinen Mathematiklehrer, der spitze war. Vor allem aber war er Motorradfahrer. Und jeder seiner Schüler durfte damals mal bei ihm mit durch die Stadt fahren. Ich habe das auch gemacht. Diese Motorfahrtfahrt war bis heute die einzige in meinem Leben, weswegen ich mich gerne daran erinnere. 

REDAKTION:     War Mathematik schon in der Schule ihr Lieblingsfach?

 STEINKE: Mathematik hat mich schon immer begeistert und mir sehr viel Spaß bereitet. Vor allem knifflige und schwere Fragen hatten es mir angetan. Ich musste mich solange damit beschäftigen, bis ich die Lösung hatte. Manchmal ging das nur mithilfe meines Lehrers, den ich immer mit Fragen gelöchert habe.

REDAKTION: Was fanden Sie denn so besonders an Mathematik?

STEINKE: Besonders interessant finde ich es Methoden zu lernen, zu verstehen, wo diese herkommen und sie dann anzuwenden. Dieses strukturierte Arbeiten, bei dem man Gelerntes auf andere Probleme transferiert finde ich außerordentlich spannend. Ich liebe die Logik der Mathematik, sie ist wie ein großes Puzzle. Und wenn dann mal wieder ein Teil ins andere passt, ist das ein super Gefühl. Eben ein Erfolg, den man direkt sehen kann.  

 REDAKTION: Wo haben Sie gearbeitet, bevor Sie hier in der Villa Eggenberg Lehrerin wurden?

STEINKE: Ich habe an verschiedenen Schulen in verschiedenen Ländern gearbeitet. Angefangen habe ich meine Lehrtätigkeit in Bayern. Danach war ich in Oxford, UK, an einer englischen, katholischen Privatschule tätig. Das hat bedeutet, dass ich den Unterricht vollständig auf Englisch abgehalten habe. Da ich Englisch in der Schule hatte und in Amerika Mathematik studiert hatte, ging das erstaunlich gut. Dabei hätte ich früher nie gedacht, dass ich diese Sprache einmal dafür brauchen könnte. Genauso war es auch mit meinen Französischkenntnissen. Ich hatte eine ganz tolle Französischlehrerin, die mich inspiriert hat und meine Neugierde an der Sprache und dem Land geweckt hat. Als ich mit meiner Familie dann nach Frankreich gezogen bin, konnte ich ohne Probleme mein Leben meistern und mit allen sprechen. In Toulouse habe ich vielen – vor allem internationalen –  Schülern Mathematik beigebracht. Und das auf drei Sprachen: Deutsch, Englisch und Französisch. Ganz besonders habe ich mich dabei für die Schüler eingesetzt, denen Mathematik sehr schwerfällt. Ich bin nämlich überzeugt, dass jeder ein bestimmtes Niveau erreichen und sogar Spaß an diesem Fach haben kann. Das geht meiner Meinung nach wirklich.  Nach vielen Jahren im Ausland bin ich 2020 nach Deutschland zurückgekehrt und dann hierher ans St. Anna Colleg gekommen.

REDAKTION:  Was hat Ihnen an den anderen Schulkonzepten gefallen? 

STEINKE: Ich denke, am meisten beeindruckt hat mich meine Arbeit in Oxford. Die Schule, an der ich tätig war, war ganz besonders. Der Mensch mit seinen Talenten stand im Vordergrund. Das Leitmotiv der Schule war, dass jeder Mensch wenigstens ein Talent hat, was es galt zu finden und zu fördern. Egal, welche Tätigkeit jeder an der Schule ausübte, gemeinsames Ziel war, diese Talente aufzustöbern und groß zu machen.

REDAKTION: Warum sind Sie Lehrerin geworden? 

STEINKE: Ganz ehrlich gesagt, wollte ich zunächst nach dem Abitur auf keinem Fall Lehrerin werden. Irgendwie hatte ich von Schule genug. Doch das Leben verläuft meist anders als man denkt, man entwickelt sich weiter und es bieten sich so viele spannende Möglichkeiten. Ich habe selbst erfahren, dass man nicht sein ganzes Leben lang mit ein und derselben Tätigkeit verbringen muss. Aus den verschiedensten Gründen bin ich vor vielen Jahren doch zur Lehrtätigkeit gekommen, was ich bisher keineswegs bereut habe. Ich bin glücklich sagen zu können, dass ich eine Tätigkeit gefunden habe, der ich mit Leidenschaft nachgehe. Ich kann junge Menschen dabei unterstützen, Bildung zu erlangen, und das auch noch in meinem Lieblingsfach. Meiner Meinung nach hilft Bildung, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln und schafft die Voraussetzung für ein erfülltes Leben. Wie wunderbar ist es, daran teilhaben zu können.

REDAKTION:  Wie war Ihre erste Schulstunde als Lehrerin?

STEINKE: Ganz schön aufregend. Aber es hat mir sehr viel Spaß gemacht – was übrigens noch immer der Fall ist.

REDAKTION: Was ist Ihr Lieblingssport?

STEINKE: Golf und Pilates, im Winter fahre ich gerne Ski.

REDAKTION: Was ist ihr liebstes Urlaubsziel?

STEINKE: Ich  reise unheimlich gerne und habe das vor Corona auch sehr oft getan. Ein Lieblingsziel habe ich nicht direkt. Aber ich muss schon sagen, dass ich das Südländische, Warme und das Meer sehr mag.

REDAKTION: Welches ist Ihr Lieblingsthema haben Sie in Mathe? 

STEINKE: Ich mag am liebsten das Gebiet Analysis, also alles was mit Funktionen zu tun hat.

REDAKTION: Haben Sie einen Dresscode?

STEINKE: Gewissermaßen gibt es für uns Lehrerinnen auch eine „Schulkleidung“. Wir können Röcke, Hosen und Kleider tragen. Es sind dezente Farben und zumeist einfarbige Stoffe erwünscht. Jeans, tiefe Ausschnitte, Rüschen und Spitzen dürfen nicht getragen werden. Für Schmuck, Nagellack und Schuhe gelten eigentlich dieselben Regeln wie für die Schüler. Mit dem Arbeitsvertrag haben wir der geltenden Kleiderordnung zugestimmt.

REDAKTION:  Was ist der längste oder der schwerste Fachbegriff in Mathe, den Sie Ihren Schülern beibringen?

STEINKE: Ich glaube die platonischen Körper haben schwierige Namen: Tetraeder, Oktaeder, Dodekaeder und Ikosaeder.

REDAKTION: Ja,  das klingt richtig schwer, ganz herzlichen Dank, dass Sie dieses Interview mit uns gemacht haben!