Partnerschule in Afrika

Interview mit Paula, die den Sommer in Afrika an unserer Partnerschule verbracht hat

Paula , einst Grundschülerin am St. Anna Schulverbund, heute Jurastudentin in München, verbrachte nach dem Abitur ein halbes "Gap-Year" an unserer Partnerschule. Eine erweiterte Redaktionsrunde freute sich sehr über ihren Besuch zum Interview! 

 

Stöhrenfried: Wo liegt unsere Partnerschule in Afrika?

Paula: Wenn man auf die Afrikakarte schaut, findet man Tansania im Osten auf halber Höhe. Von der großen Hafenstadt Daressalam aus sind es etwa vier Stunden mit dem Auto ins Landesinnere. Die Schule liegt auf dem Land, der Ort heißt Mikese, er liegt in einer sehr schönen Landschaft - wie eure Schule auch!   

Stöhrenfried: Wie kam es zu der Patenschaft?

Paula: Das tansanische Lehrerehepaar, Herr und Frau Mudende, bei denen ich in diesem Sommer gewohnt habe, war lange in Deutschland und kennt eure Schulen gut. Als sie dann die Schule dort angefangen haben, waren es nur fünf Schüler in einem Raum. Jetzt sind es schon über 500 und es gibt Pläne für eine Secondary-School. Da haben viele mitgemacht, auch Lehrer von hier.  

Stöhrenfried: Wie ist das Miteinander der Schüler untereinander?

Paula: Es ist wie bei euch, man achtet in der Schule auf gute Zusammenarbeit und  respektvollen Umgang. Das Miteinander ist gut. Aber es ist nicht selbstverständlich. Man muss sich vorstellen, dass in Afrika die gesellschaftlichen Gruppen untereinander sehr verschieden sind. Sehr viel gilt die Stammesherkunft und auch längst nicht alle sind Christen, etwa nur ein Drittel, etwa ein weiters Drittel ist muslimisch und die anderen naturreligiös. Hier dieses Mädchen (zeigt auf ein Bild) ist die Tochter des örtlichen Imam.

Stöhrenfried: Warum haben die Mädchen alle kurze Haare?

Paula: In Tansania haben die Mädchen in der Schule generell kurze Haare, aber auch die Frauen haben sehr viel seltener Langhaarfrisuren wie bei uns. Wahrscheinlich ist es einfach praktischer.

Stöhrenfried: Wieviel kostet das Schulgeld? Können sich das die armen Leute von Land leisten?

Paula:  Das kann man schwer mit hier vergleichen. Wenn ich euch sage, das Schulgeld ist 100 Euro für sechs Monate, dann erscheint euch das nicht viel, aber wenn eine Familie nur 200 Euro verdient, dann ist das viel für sie. Aber es gibt natürlich auch Stipendien, wie bei euch. 

Stöhrenfried: Ist es normal, dass die Kinder in der Schule praktisch arbeiten? z.B sieht man sie hier auf den Fotos den Boden kehren.

Paula: Die Schüler halten ihr Schulgelände in Ordnung, zum Beispiel wird das Spielplatz-Gras von den Schülern gemäht. Sie machen das mit Handsicheln, das ist gar nicht so einfach, so etwas muss man auch erst einmal lernen!

Stöhrenfried: Kann man mit Arbeiten sein Schulgeld ableisten?

Paula: Nein, so ist das nicht gedacht. Dafür gibt es Stipendien.

Stöhrenfried: Wie läuft die Pause ab?

Paula: Es gibt ja viele Pausen am Tag, wie bei euch wahrscheinlich auch. Ich war immer am Nachmittag bei den Internatsmädchen. Da gibt es sicher auch Vormittagspausen und längere auch am Nachmittag. Einmal haben wir einen Schulausflug gemacht. Es ging in den Zoo und war für die Mädchen eine große Sache. Wir denken vielleicht, die afrikanischen Kinder begegnen Löwen und Elefanten auf dem Schulweg. Aber das ist nicht so. Zum Glück, denn das wäre ja ziemlich gefährlich. Die meisten Mädchen haben an diesem Tag im Zoo zum ersten Mal einen Löwen gesehen. Das war etwas Besonderes.