Das Abizeugnis als WM-Pokal

Bei ihrer Abschlussfeier gehen die Abiturienten als Welt-Meister aus dem WM-Turnier ihrer Schulzeit 
Hier die ungekürzte Rede im Wortlaut:

 

Spätestens seit dem Finale-furioso mit Toni Kroos` Siegestor gegen Schweden befindet sich das ganze Land im WM-Fieber, zumindest tat es das bis vorgestern Abend …

Wir jedoch, wie wir hier und heute stehen bzw. sitzen, sind in diesem WM-Fieber bereits seit jenem geschichtsträchtigen Dienstag, den 14. September 2010. Zum Auftakt unserer persönlichen Weltmeisterschaft steht vor dem ersten Gruppenspiel ein gemeinsames Aufstellen der  Mannschaft zum Singen der Nationalhymne an. Und ich denke ich spreche hier im Einvernehmen aller Schüler, wenn ich sage: Wir erinnern uns noch ganz genau, wie wir an unserem ersten „Spieltag“ zusammen die Bühne in der Aula, als ein Teil unseres zukünftigen Stadionbodens, betreten haben. Hand in Hand haben wir uns das erste Mal der Weltpresse als Mannschaft dieses Wettbewerbes präsentiert.

Unserer deutschen Nationalmannschaft haben wir in der Gruppenphase auch erst mal nachgeeifert, war doch die Unterstufe von gewissen Auftaktschwierigkeiten mit unseren Pädagogen geprägt — und zwar in beiden Klassen. Eine Kabinenansprache in der Halbzeit durch unseren Trainer, Herrn Schauberger, wirkte wie ein Weckruf, sodass sich ab diesem Zeitpunkt nicht nur die Absprache, das Stellungsspiel und insbesondere das Zusammenspiel zwischen den Schülern, sondern auch zwischen den Schülern und den Pädagogen wesentlich verbesserte.

Zudem zeigten schon in dieser noch sehr frühen Phase des Wettbewerbs ein paar Senkrechtstarter, wie talentiert sie gute (bisweilen auch sehr gute) Noten im Tor versenken können. Am Ende der Gruppenphase stand bei uns (!) schlussendlich trotz der Startschwierigkeiten einem souveränem Einzug ins Achtelfinale nichts im Wege.

Aus den Individualspielern von Vereinen wie dem TSV Berg, der Spielvereinigung Pullach-Grünwald, Vereinen aus der Stadt, aber auch von Provinzclubs wie dem TSV Achmühle ist ein Team geworden. Das Teambuilding wurde besonders durch die Klassenfahrten zu einem Bauernhof und nach Regensburg gefördert. Dieses zusammengewachsene Team sah sich von nun an mit den gestiegenen Anforderungen der Mittelstufe konfrontiert. Um den Erwartungen von Geschwistern, Eltern und Großeltern an ihre neu aufgehenden Stars am Notenhimmel gerecht zu werden, fokussierte sich während dieser Turnierphase der Trainerstab auf die individuelle Leistungsförderung und Leistungsforderung. So mancher Spieler des Kaders entdeckte bislang ungeahnte Fähigkeiten. Ich erinnere mich hier unter anderem an unglaublich schönen Gesangs-Fallrückziehern bei Chorauftritten oder auch an schauspielerische Flugkopfbälle bei Theateraufführungen. Entschieden wurde das Achtelfinale schlussendlich weit weg von der Heimat — auf ehemals sowjetischem Boden — in unserer heutigen Hauptstadt Berlin.

Die nun anstehende Viertelfinalpartie sollte sich im Nachhinein als eine der schwierigsten Partien des ganzen Turniers entpuppen. Die 10. Klasse forderte in besonderem Maße die gesamte Breite des Kaders. Allen voran ihr Stoßstürmer. Das Fach Latein, war stats gefürchtet und bereitete nicht nur den Spielern, sondern sicher auch dem eine oder anderen Elternteil, Kopfzerbrechen. Nur wenige Verteidiger konnten diesen Stürmer über die gesamte Länge des Spiels unter Kontrolle halten, sodass oft erst ein Referat in der 90ten Minute die Note drehen und das Spiel gewonnen werden konnte. Spätestens durch diesen Last-Minute Sieg im Viertelfinale war nun, pünktlich zur heißen Phase des Turniers, der Kampfgeist bei allen, nunmehr Oberstüflern, geweckt. Beherzt ging man in die Zweikämpfe mit den neuen und hartnäckigen Gegnern P- und W-Seminar. Ab diesem Moment gab es zwar immer noch einen konkret vorgegeben Spielplan des Trainerteams, trotzdem wurde Wert darauf gelegt, dass die Spieler eine gewisse Eigendynamik entfalteten und selber Schwung in die Partie zu bringen. Ein Highlight der ersten 45 Minuten war die Romfahrt.

Kurz nach dem Anpfiff der 2. Halbzeit des Semifinales standen in der 12. Klasse die Abschlüsse der P- und W-Seminare an. Zudem ereignete sich eine ungewöhnliche Spielsituation beim Klassenfoto, da dieses aufgrund fehlerhafter Positionierung 3 mal wiederholt werden musste. Mal stand die Mauer nicht ganz richtig, mal saßen die Röcke bei allen Spielerinnen wohl nicht so ganz… Aber der Finaleinzug konnte schlussendlich von allen Schülern erreicht werden. Finale! Der Titel zum Greifen nahe, mussten nur noch die letzten Hürden genommen werden — die 5 Abiturprüfungen. Damit jetzt nichts mehr schief ging, so kurz vor dem großen Triumph, wurde ein besonderes Trainingscamp einberufen und die Trainingseinheit ab diesem Zeitpunkt noch einmal intensiviert und so das letzte bisschen Leistung aus den Schülern heraus gekitzelt. Mit dieser idealen Vorbereitung nahm jeder Schüler bis in die Haarspitzen motiviert seinen Platz auf dem finalen Spielfeld in der Aula ein — genau an dieser Stelle, vor 8 Jahren, hatte die große Reise der Weltmeisterschaft ja begonnen. Die Spannung, die während des Finalspiels in der Luft lag, war auch für die Abituraufsicht deutlich spürbar. In einem letzten Kraftakt wurden auch noch die Kolloquien geschafft — und dann wurde es uns langsam aber sicher klar: Wir haben es geschafft, dieses Zeugnis hier in meiner und das Zeugnis in eurer Hand ist unser aller, hochverdienter Pokal!  Wir sind Weltmeister!

Vielen Dank!

 

Redner: Sven Ader, Vivien Behling