Unbelehrbar und unangepasst

Ein unangepasstes Leben als Vorbild kann der Schriftsteller Chaim Noll nicht wirklich empfehlen, aber

interessant davon erzählen. Unter dem Titel „Berlin - Rom - Jerusalem“ berichtete er aus seinem Leben.

Zeitzeugen-Gespräch in der Aula mit dem Schriftsteller Chaim Noll

 

Besonders fragen die Zuhörer nach

seiner Berliner Jugendzeit:

Wie er als Sohn eines erfolgreichen Schriftstellers in der DDR mit Hilfe seiner Freundin  durch einen Hungerstreik erfolgreich den totalitären Staat boykottiert. Wie er dann über den Umweg der Psychatrie für seine junge Familie den Weg in den Westen erkämpft. In einem Dokument über seinen Fall findet Noll nach der Wende in den StaSi-Akten eine handschriftliche Randnotiz mit dem Namenskürzel des mächtigsten Mannes der DDR,

 

Erich Honecker: "unbelehrbar!"

Dieses Urteil über Noll ist für ihn und seinen Hungerstreik in der geschlossenen psychatrischen Anstalt Glück im Unglück, denn es bedeutet, dass die Parteispitze seine Ausweisung befürwortet. Dennoch belästigt der totalitäre Staat den DDR-Kritiker im Westen weiter, indem die StaSi versucht, etwa mit der Zusendung von pornographischen Heftchen und Fake-Postkarten von jungen Damen, die Alimente fordern, seinen gesellschaftlichen  Ruf und den Rückhalt in seiner Familie zu ruinieren. Oder wie die Stasi später auch in der westdeutschen Provinz seine Bremsschläuche manipuliert, um sein Leben zu gefährden.

 

Auch Fragen zum Judentum bewegen die Schüler: Was für ihn am Judentum so überzeugend sei? Seine Antwort in Kürze: Als Schriftsteller fasziniert Noll, dass im Zentrum des Gottesdienstes ein Buch steht. Immerhin auch eines, in dem sich die Geschichte der Menschheit spiegelt und einige ihrer interessantesten Gedanken. Noll sieht etwa im biblischen Motiv des Widerspruchs gegenüber Gott die Wurzel der Idee der Freiheit und des Demokratischen. Ein weiteres Motiv der Freiheit beginnt mit dem Konzept des Sabbat, des freien siebten Tages.

 

Die Zeit des Fragens, Antwortens und Erzählens vergeht zu schnell, so dass es für die weiteren Lebensstationen von Chaim Noll, Rom und Jerusalem, und die weiteren Fragen der Schüler nur noch heißt: Es gibt noch viel zu erzählen und:  „Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!“