Wie klingt Icking?

Das Projekt "Klang.Forscher!" untersuchte das akustische Umfeld am Ort.

Leopold steht vor einem verstaubten Aktenschrank im Heizungskeller des Günter- Stöhr-Gymnasiums in Icking. In bildreicher Sprache versucht er die Eindrücke für seine späteren Hörer zu schildern. Denn der Aktenschrank ist ein Relikt aus vergangenen Tagen des Schulgebäudes. Zu Zeiten des Kalten Krieges trafen sich hier Nato-Generäle, um historische Entscheidungen zu treffen. Heute erinnern an diese Zeit noch Tresorschränke und abhörsichere Konferenzräume im Keller der Schule. Im Projekt „Klang.Forscher!“ hat sich eine Klasse des Günter-Stöhr-Gymnasiums zusammen mit ihrem Medienoach Mischa Drautz auf die Spuren der Vergangenheit ihrer Schule gemacht. Als Klang.Forscher! führten die Schüler ein Interview mit einem Professor, der damals in Icking tätig war und versuchten, Klänge von alten Schließanlagen, knarzenden Schubladen und Tresortüren einzufangen. „Am Anfang dachten wir, das wird nur Unterhaltung, aber jetzt hat es sich gut eingespielt in die Klasse und jeder ist wirklich voll dabei.“ sagt Leopold heute über das Projekt. Zusammen mit fünf weiteren Schulen aus Bayern, Hamburg, Hessen und dem Saarland hat das Günter-Stöhr-Gymnasium am Projekt "Klang.Forscher!" teilgenommen. Vier Monate lang haben sie geforscht, gelauscht, recherchiert und Experten interviewt. Das Thema „Wie klingen Generationen?“ haben die Schülerinnen und Schüler selbst gewählt – und dabei ganz unterschiedliche Zugänge gefunden. Eine zweite Gruppe aus der Klasse untersuchte das Thema „Klänge der Jugend“. Die Gruppe besuchte ein Altersheim in der nahen Umgebung und sprach mit den Bewohnern über ihre akustischen Jugenderinnerungen. In ihrem Beitrag arbeiten die jungen Klangforscher mit eindrucksvollen Kontrasten.

Ein Schüler berichtet von den Geräuschen seiner Spielkonsole, die ihn an seine frühe Jugend erinnern, gleich danach erinnert sich eine 90-jährige Bewohnerin des Altersheims an die Geräusche bei der Ernte, bei der sie als Kind immer mithelfen musste. „Solche Dinge sind an uns ja spurlos vorbeigegangen“, sagt Schülerin Olivia. Durch das Projekt geht sie jetzt mit offeneren Ohren durch die Welt: „Die ganzen Handys in der Stadt, die einfahrende S-Bahn, das fällt einem dann doch mehr auf.“ Für alle war das Projekt „Klang.Forscher!“ eine bunte Abwechslung vom Schulalltag. „Klänge spielen auf den ersten Blick heute vielleicht gegenüber Bildern eine untergeordnete Rolle“, sagt Mediencoach Mischa Drautz, der als Hörspielregisseur beim Bayerischen Rundfunk arbeitet. „Im Laufe des Projekts merkt man aber dann doch, wie die Schüler immer mehr drauf hören, welche Klänge sie in ihrem Umfeld wahrnehmen. Nicht nur in der Schule, sondern auch im Alltag!“ Die Rohaufnahmen hat die Klasse selbst geschnitten, montiert. In den Studios des Bayerischen Rundfunks durften sie im Juni zusammen mit Mischa Drautz die noch fehlenden Sprachaufnahmen machen und professionelle runde Klangdokumente produzieren. Auch Musiklehrer Peter Schneider freut sich über diese professionelle Unterstützung: „Alleine ohne den Coach und das technische Wissen wäre es doch sehr schwierig, so etwas umzusetzen.“